Sprengung bei Laufschuhen – worauf muss ich achten?

Laufschuhe und Ihre SprengungswerteUnsere Treter an den Füßen sind inzwischen zu High-Tech Sportgeräten mutiert. Hilft uns diese Technologie oder schadet sie uns nur? Wir haben bei den neuen Laufschuhmodellen etwas genauer hingeschaut und berichten über die neuesten Trends und Entwicklungen im Laufschuhbereich.

In der Vergangenheit haben wir die Laufschuhe klassisch eingeteilt in Neutralschuhe für Neutralläufer, Stabilschuhe für Überpronierer (das Sprunggelenk kippt nach innen unter erhöhter Belastung nach der Landephase) und weiteren Kategorien wie Bewegungskontrolle, Lightweight- oder Wettkampfschuhe. Dabei ging es in erster Linie um die Gestaltung der Zwischensohle der Laufschuhe. Neben den Dämpfungsmaterialien wie das „Gel“ von asics oder „Zoom Air“ von nike, „Adiprene“ von adidas und viele weitere mehr, besitzt der klassische Laufschuh in der Zwischensohle verschiedenste Materialien, um den Fuß zum Untergrund neben einer ausreichenden Dämpfung entsprechend zu stabilisieren.

Diese Funktion im Laufschuh kommt allerdings nur beim Läufer/ bei der Läuferin zum Tragen, die Ihre Abrollbewegung mit der Ferse beginnt (Fersenläufer/In). Was passiert mit den Vorfuß-/Mittelfußläufern?
Untersuchungen zeigen, dass ca. 50% der Läufer einmal pro Jahr verletzt sind. Hierbei ist zu beobachten, dass Fersenläufer

überwiegend im Bereich der Sprunggelenk-Innenseite und Schienbein (hier verlaufen die Sehnen der Supinatoren M. tibialis posterior, M. tibialis anterior) und im Kniegelenk Beschwerden aufweisen. Eine der Ursachen hierfür ist eine Instabilität im unteren Sprunggelenk und die damit verbunden Rotation des Unterschenkels. Kniegelenkbeschwerden im Bereich der Patellasehne rühren häufig von einer hohen exzentrischen Muskelbelastung der Oberschenkelvorderseite nach dem Fersenaufsatz in der Landephase.
Vorfußläufer hingegen beobachten häufig Überlastungen im Bereich der Achillessehne und der Plantarsehne durch eine hohe (ungewohnte) Muskelbelastung.

Historisch wurden solche Fußfehlstellungen und Instabilitäten mit entsprechenden Laufschuhen und Sporteinlagen versorgt.

Was soll nun die Diskussion und Einführung der Laufschuhkategorisierung nach Sprengung? Was ist Sprengung überhaupt und für wen ist welche Laufsohle geeignet?

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Der La Sportiva Bushido mit 6mm Sprengung

Die Sprengung im Laufschuh bezeichnet die Differenz der Dicke der Zwischensohle von Fersenbereich und Vorfußbereich. Quasi das Gefälle des Laufschuhs. Herkömmliche Laufschuhe haben im Fersenbereich Dämpfungselemente integriert, die die Kräfte der Aufprallphase absorbieren (sollen). Durch die leichte Erhöhung im Fersenbereich „rollt“ der Schuh besser ab. Wer sich allerdings zu den Mittel- oder Vorfußläufern zählt, für denjenigen sind die erhöhten Fersen hinderlich, denn sie stören bei der Lauftechnik.

Ob nun eine geringe Sprengung oder doch ein etwas erhöhter Fersenaufbau für mich geeignet ist, hängt also primär von der Lauftechnik ab. Eher sekundär ist hierbei die Laufgeschwindigkeit, die ja früher viele Läufer für die Einteilung Ihrer Laufschuhe in Trainings- und Wettkampfschuhe herangezogen haben. Als Faustregel zu sehen ist die Aussage, dass schnellere Läufer in der Regel eher auf dem Mittelfuß laufen als langsame „Jogger“ – Ausnahmen bestätigen auch hierbei die Regel…

Eine Übersicht über die Sprengung der Laufschuhe finden Sie im Onlineshop www.lauf-bar.de. Hier können Sie die Schuhe nach Sprengung selektieren und sich die passenden Laufschuhe für Ihren Läufertyp aussuchen.

Fazit:

Die Individualisierung der Laufschuhe schreitet immer weiter fort. Endlich wurden die klassischen Standardeinteilungen nach Pronationsläufer, Neutralläufer und Supinierer etwas aufgebrochen durch die Einführung der Sprengungsangaben. Somit wird für den passenden Laufschuh auch immer entscheidender, welche Lauftechnik der Käufer ausübt. Dass dies in der Laufschuhberatung ein zentrales Element ist, zeigen auch Studien aus der Vergangenheit, dass trotz der technischen Möglichkeiten in der Laufschuhentwicklung die Verletzungsrate der Läufer in den letzten Jahren eher zu- statt abnahm.
Individuelle Lösungen sind also gefragt. Dennoch empfehlen wir funktionierende „Systeme“ (bestehende Laufschuhe – Lauftechnik) nicht gravierend spontan zu verändern. Dieser Prozess kann einige Zeit in Anspruch nehmen, da der Körper sich hinsichtlich Muskulatur, Sehnen- und Bandapparat viele Jahre und Kilometer an die bestehenden Verhältnisse angepasst hat. Bestehen allerdings Beschwerden, macht eine ausgiebige Bewegungs- und Laufschuhanalyse Sinn, um Technikveränderungen auch mit den entsprechend passenden Laufschuhen angehen zu können.

About Volker Haußmann

Volker Haußmann studierte Diplom-Sportwissenschaften an der Technischen Universität München von 1994-1998. Bereits im Studium focusierte er sich auf Lauf- und Bewegungsanalysen, welche auch Bestandteil seiner abschließenden Diplomarbeit waren (kinematischer und elektromyografischer Vergleich von Laufbandlaufen und Laufen auf der Bahn). In verschiedenen sporttherapeutschen Zentren sammelte Volker Haußmann weitere grundlegende Erfahrungen mit Sportverletzungen und Überlastungen v.a. im Bereich der unteren Extremitäten bis er 2001 Münchens erstes Laufschuhfachgeschäft mit Lauf- und Bewegungsanalyse, die lauf_bar, gründete. Heute zählt die Lauf-bar GmbH unter der Geschäftsführung von Volker Haußmann zu den Top Laufsport-Fachgeschäften in Deutschland.

4 thoughts on “Sprengung bei Laufschuhen – worauf muss ich achten?

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