Der Ultratrail Lamer Winkel im Rennbericht

   U.TLW 2016 – Saisonauftakt im Bayrischen Wald

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Der Name wurde dieses Jahr auch schon mal Englisch ausgesprochen, man kann sich also quasi sicher sein, dass nächstes Jahr die ersten internationalen LäuferInnen an der Startlinie im Bayrischen Wald stehen werden.

 

Es ist 2016 alles ein bisschen größer, ein bisschen routinierter, ein bisschen bekannter geworden – aber eben nur ein bisschen. Der Ultra Trail Lamer Winkel, dieses einzigartige Familientreffen unserer einzigartigen Familie. Brüder und Schwestern die ich nur über das Internet und von Ergebnislisten kenne, die meinen Namen nicht wissen und mir trotzdem um den Hals fallen, weil sie mich „irgendwo schon mal gesehen haben“. Man ist einfach gerne vor Ort, in der Sonne, auf dem kleinen, schnuckligen Marktplatz von Lam.

Der Vorabend

Die Veranstalter taten dieses Jahr gut daran, die Pastaparty, die Registratur und das Briefing in den späteren Zielbereich zu legen. Das hat Spaß gemacht, man kam sich gleich näher, hat sich noch schneller mitten in interessanten Gesprächen wieder gefunden. Die Athmosphäre wirkte „aufgeräumter“, nicht so zerrissen. Die Pastaparty

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Die Stimmung ist gut

an sich:  chaotisch, lange Wartezeiten, kleine Mahlzeiten … und ja, das macht dieses Event so ehrlich, so charmant. Man kann der total überforderten Kellnerin kein Stück böse sein, trägt sogar selber noch Essen mit raus. Im Ansatz war die Idee Essensgutscheine auszugeben fantastisch, aber für die parallele Versorgung von 750 Gästen bietet sich ein Buffett möglicherweise eher an, als den Versuch zu starten, das Essen noch zu servieren. Völlig EGAL. Außerdem rundete eine nette Begrüßungszeremonie mit einem ausgesprochen guten Vortrag eines Ernährungswissenschaftlers zum Thema „Energiezufuhr vor und während eines Rennens“ den Willkommensabend ab. Was erst öde klang, das war im Endeffekt, selbst während dem Rennen, Gesprächsthema auf und neben der Strecke. Gute Wahl liebes Orga-Team.

Endlich Laufen

Ach ja, gerannt wurde dann ja auch ein bisschen. Nachdem man sich vor lauter Gequatsche und Geherze eilen musste den Start nicht zu verpassen, ging es wieder auf diesen unglaublichen, atemberaubend schönen Weg über all diese kleinen, feinen

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Hügel und Berge des Bayrischen Walds. Warum ich das so bewusst betone? Letztes Jahr war die Strecke an sich genauso schön, nur hat das damals keiner sehen können. So schlecht wie das Wetter letztes Jahr, so gut war es diesmal. Die Ergebnisse insgesamt machen zwar deutlich, dass niedrige Temperaturen und Niederschlag kein Grund für langsame Zeiten auf Trails sein müssen, denn eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Nun wirbt der U.TLW aber eben auch mit seiner Umgebung und den Ausblicken. Die gab es diesmal in voller Pracht über die ganze Strecke zu bewundern.

Teilweise war es sogar richtig drückend heiß, in den Wäldern stand die feucht-warme Luft, mir rannte der Schweiß wie ein Bach den Rücken runter. Nach zehn Kilometern war meine komplette Kleidung durch, als hätte ich in der Dusche gestanden. Man hab ich das genossen.

Das Rennen führt die Läufer auf spektakulären Pfaden über elf Tausender zu schönen Orten im Lamer Winkel. Der „König vom Bayerwald“ ist mit 53 Kilometern und 2600 Höhenmetern ein echter Ultratrail, der an Schönheit kaum zu überbieten ist. Es werden über 70% der Strecke auf schmalen, flowigen Singletrails gelaufen. Die erste VP gibt es bei Km 9, die Veranstalter haben sich hier noch ein Bonbon ausgedacht, eine Bergwertung. Die Sieger waren die ersten drei Männer und Frauen an eben dieser VP. Eine nette Idee. Mich freut es immer noch, die Kraft zu finden mit den Zuschauern Späßchen zu machen und auch ihnen ein bisschen Danke zu sagen. Das hat hier sehr gut funktioniert.

Das Stück bis zum Großen Arber hat es dann richtig in sich, ist lang, bietet wenig Möglichkeiten zu verschnaufen. Immer wieder geht es sehr technisch die Wälder rauf

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Wunderschön

und runter. Auf dem Godlsteig läuft man über 10 Tausender zum Arber rüber; die letzten Meter den Weg hoch zum Arber hat man die Möglichkeit den Kopf auszuschalten und einfach nur zu rennen, soweit das eben möglich ist. Von da geht es 700 Höhenmeter – einfach nur rollen lassen – runter nach Ebensäge und dann rauf auf die Scheibe. Ein tolles Stück, traumhafte Downhills, mein Laufen, etwas das ich auf Mallorca und den nie endenden Trainings mit Christian so gut verinnerlicht habe, das ich mich traue. Einfach mit hohem Tempo die Trails runter zu „ballern“ (danke Florian Neuschwander für diesen Ausdruck). Wie oft hab ich dieses Wort schon in die Wälder Deutschlands geschrien, überschäumend vor Adrenalin, Endorphine, mit breitem Grinsen an kopfschüttelnden Wanderern vorbei, mich in die Abhänge werfend und gefühlt am fliegen. Wenn ich das so schreibe will ich gleich wieder los.

Dann folgen extrem schwierig zu laufende Trails. Wo vorher der Körper an seine Grenzen gebracht wurde muss nun die mentale Stärke beweisen, das sie nicht umsonst ihren Platz im Repertoire eines guten Läufers inne hat. Augen auf im Straßenverkehr heißt es hier, sonst ist der Spaß schneller vorbei als mir lieb ist. Wurzeln, Boulder, quer liegende Äste, enge Kurven … sagte ich das schon? ALLERFEINSTE TRAILS SIND DAS.

IMG_7461Wunderschöne Natur

Und dann diese Ausblicke – mit dem fettesten Trailrunner-Grinsen im Gesicht schieße ich quasi senkrecht bergab auf eine nie enden wollende Schotterstraße zu die mich direkt zum finalen Anstieg bringt. Die Eliteläufer an der Front bringen auf diesem Forstweg Paces um die 03:40 auf die Uhr bzw. die Strecke. Wahnsinn. Aber auch bei mir läuft es gut, ich überhole auch Läufer der kurzen Strecke, finde mein Tempo und die Beine spielen gut mit. Mit dem Kopf immer beim letzten Anstieg, Kerstin Schneehage (damals Erdmann) überholte mich  2015, quasi ein Liedchen pfeifend, an eben genau diesem Anstieg und schrie mich an, ich solle mich nicht so anstellen und Gas geben. Ich war damals froh überhaupt noch zu laufen ☺ Krasse Frau, krassen Ehemann gefunden. Geile Typen diese Schneehage´s.

Den Anstieg selbst hatte ich länger in Erinnerung, das war gut. (Nun darf ich 2017 nur nicht den Fehler machen das Stück zu unterschätzen. Also falls ich denn einen Startplatz bekommen sollte, bei dem Andrang.) Und dann war da auf einmal Lukas

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Gesichtsausdruck: 110%- Die Zuschauer: 120%!

Sörgel, dieser unglaublich sympathische junge Mann aus dem Team Salomon, mit dem ich drei Wochen zuvor noch ein Trainingsründchen hinterm Tegernsee gedreht hatte. Zuviel hatte er die Tage vor dem U.TLW gemacht, die Beine waren verblockt, jeder Meter Anstieg eine Qual (im Downhill hat er mich dann aber wieder bekommen). An der letzten VP gabs dann nochmal Gummibärchen und Cola, das Ganze mit musikalischer Untermalung, bevor ich mich in den letzten Downhill warf, der mich auf dem Tromsö und dem Holy Trail diesen fantastischen Lauf beenden ließ. Die letzten zwei Schmankerl dieses Rennens, den Tromsö Part mit sehr technischen, den technischsten Metern dieses Rennens und dem Holy Trail, eigentlich dem was Traillaufen ausmacht, konnte ich dieses Jahr nicht so genießen, zu müde waren Körper und Geist, zu anstrengend war es sich überhaupt noch auf den Weg zu konzentrieren. Die miserable Vorbereitung, also teilweise keine Vorbereitung, hat dann doch ihre volle Wirkung entfaltet. Warum ich jetzt nicht erkläre was diese beiden Teilstücke so unglaublich macht? Weil man das nicht beschreiben kann. Fahrt hin. Lauft das Ding selber, ohne Druck, ohne Zeitnahme; so wie es Markus und Maria jede Woche machen. Danach sind sie und auch ich uns wieder bewusst, dass der Himmel auf Erden -direkt vor der Haustür liegt. Zumindest der Himmel der Trailrunner.

 

Eins noch:

Jedem Zuschauer auf jedem Meter dieses Rennens ein fettes Danke fürs da sein und anfeuern! Ihr seid unglaublich. Bis 2017. Hoffentlich.

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