Das 4 Desert Race – ein Erfahrungsbericht von Jonas Berg

4 Desert Sahara Race Übersicht

Wüstenrennen – eine Herausforderung für Körper und Geist beim 4 Desert Sahara Race

4 Desert Sahara Race 2017Das Gewöhnliche, also das Laufen, sollte allein schon wegen der Wettervorhersagen zu einem Abenteuer werden. Temperaturen, die 30 Grad „in den Schatten stellen“, ein mehr oder weniger starker Wind, mal von der Küste, mal vom Inland, was soll ich sagen, vorstellen konnte ich mir darunter eh nichts.

Zweimal umsteigen, fast ein ganzer Tag Anreise, um das erste Ziel dieser Reise, den Flughafen Walvis Bay, in Namibia, zu erreichen. Raus aus dem Flieger und die erste Klatsche ins Gesicht. Hitze kenne ich, aber diese Trockenheit, dieses drückende auf den Schädel … ich wusste da noch nicht, dass es an diesem Tag für Namibianische Verhältnisse kühl war.

Das ist das Angenehme auf Reisen, dass auch das Gewöhnliche durch Neuheit und Überraschung das Ansehen eines Abenteuers gewinnt (Johann Wolfgang von Goethe)

Mit einigen Teilnehmern des „4 Desert Sahara Race“ teilte ich mir einen Shuttle nach Swakopmund, eine der größten Städte dieses außergewöhnlichen Landes. Endlich mal mit den Leuten in Kontakt kommen, welche dieses Abenteuer sicher teuer bezahlt haben oder es noch werden, wie auch immer man diesen Satz versteht.

Denn nur die wenigsten, eigentlich niemand, der an diesem Rennen teilnimmt, wird Sahara Race 2017gesponsert. Die Startgebühr von 3700 US Dollar berappt eigentlich jeder aus eigener Tasche. Flug und benötigte Verpflegung ist da natürlich noch nicht inbegriffen. Und leider schafft auch nicht jeder, die von ihm geforderte Strecke von 250 km, komplett zu finishen. Auch wenn, oder gerade weil, dieses Etappenrennen auf sechs Tage verteilt ist. Fünf Etappen, die ungefähr Marathondistanz tragen und eine Double-Stage, etwas über 80 km, bei egal welchen Bedingungen. Da kann man schon mal sagen „Ich kann nicht mehr“.

Wie läuft so ein Rennen ab und was mache ich da eigentlich? Die „4 Desert Race“ Serie sind vier Rennen in vier Wüsten dieser Erde. Gobi, Atacama, Antarktis und eben Sahara. Wobei Afrika´s Rennen jetzt in der Wüste Namib stattfindet, nächstes Jahr wird das Rennen wohl auch anders heißen.

Bildergalerie 1:

Alles Etappenrennen, gestellt wird nur die Unterkunft, ein Tag vor und ein Tag nach dem Rennen in einem Hotel, während des Rennen´s in Massenzelten an den jeweiligen Zielorten der Etappe. Essen wird keins gestellt, nur Wasser. Die Teilnehmer müssen alles was sie während der Woche benötigen selber tragen. Wer bei dem Preis noch einen Shuttle erwartet, wird bitter enttäuscht.

Über einen guten Freund bekam ich den Tipp mal an so einem Rennen als Volunteer teilzunehmen, Nach der Bewerbung habe ich knapp einen Monat auf die Zusage gewartet; es bewerben sich ungefähr dreimal so viel Menschen auf die verschiedenen Stellen wie es offene Posten gibt. Man muss Glück haben oder, so wie ich, Erfahrung mit solchen Distanzen um aus der Masse herauszustechen.

Dann ging es gefühlt sehr schnell. Ich musste, dafür das ich dann doch schon das ein oder andere längere Rennen bestritten habe, recht viel neues Equipment besorgen. Sand, extreme Hitze und all diese Wüsten – Bedingungen erfordern das ein oder andere Tool welches ich noch nicht besessen habe. Mütze mit Nackenschutz (dank an Salomon), Schuh Gaiters (dank an H+M und an mich für die geniale Idee) und natürlich eine gute Sonnenbrille (wiedermal dank an Salomon) fehlten noch im Schrank. Ansonsten nur Sonnencreme, Sonnencreme, Sonnencreme. (dank an dm ;-))

Ich arbeite also als Volunteer. Es gibt verschiedene Teams für die man sich bewerben kann. Campteam, Checkpointteam, Courseteam …. was man davon hat? Im besten Fall ein einmaliges Erlebnis. Im schlechtesten Fall ein einmaliges Erlebnis. Das ist, wie ich finde, garantiert. Bezahlt wird da nichts, die Flüge muss man selber buchen. Klingt für manch einen unverschämt, nach Abzocke. Keiner muss, jeder kann. Wer also bereit ist, Urlaub und den ein oder anderen Euro zu opfern, um laufbegeisterten Menschen aus aller Herren Länder eine unvergessliche Woche zu bescheren, ist hier genau richtig. Oft genug schon kam ich in den Genuss genau dieses Service, TAR oder in Korsika, also ja, ich will meine Urlaubstage gerne dafür hergeben. Ich arbeite nicht alleine, sondern in einem Team aus drei. Eine Spanierin und ein Engländer komplementieren das Course Team „4 Desert Sahara Race 2017“. Für die beiden nicht das erste Rennen dieser Art, für mich war allein das Flagge anfassen schon eine jungfräuliche Begegnung.  Diese rostigen, kratzigen pinken Flaggen, Begleiter bei jedem Wetter. Wir haben noch eine Fahrerin, eine mit deutschen Wurzeln, die ihren 4×4 perfekt durch dieses unwegsame Gelände steuern konnte. Wenn man in diesem Land wohnt wächst man damit einfach auf.

Oft genug schon kam ich in den Genuss genau dieses Service, TAR oder in Korsika, also ja, ich will meine Urlaubstage gerne dafür hergeben.

Bevor ich euch ein paar Sätze zu dem eigentlichen Rennen schreibe, möchte ich, weil es mich einfach beschäftigt hat, doch noch etwas zu Land und Leute loswerden. Die deutsche Kolonialzeit, die bis 1915 anhielt, prägt diese Region auch heute noch sehr stark. Die deutsche Sprache, Straßennamen, Essen und Kultur begegnen einem mehr oder weniger an jeder Ecke. Das weiß man vielleicht, wenn man sich ein wenig mit Südafrikas Geschichte beschäftigt. Aber das es so eindringlich ist hätte ich nicht gedacht. Was genau meine ich? Rassismus. Rassentrennung. Es ist nicht so, das Menschen offensichtlich schlechter behandelt werden, ich finde aber es scheint leicht durch. Aber da werte ich nicht, möchte viel lieber sagen, das sich jeder sein eigenes Urteil bilden muss. Es ist einfach jedem Touristen aufgefallen und man hat häufig drüber gesprochen. Das alleine ist deutlich genug würde ich meinen. Was dieses Thema angeht, erinnere ich mich mit gemischten Gefühlen an diese Zeit.

Aber nun zum Wesentlichen – dem 4 Desert Sahara Race:

Diese Tage, dieses Rennen, die Landschaft, diese vertraute Belastung in dieser unvertrauten Umgebung. Die perfekte Kombination total die Kontrolle zu verlieren und sich selbst neu zu definieren. Was ich damit meine. Ich meine eben nicht über das laufen nachzudenken, über Platzierungen oder andere Teilnehmer. Sondern über die Natur, über Umweltverschmutzung, über Fleischfresser und Vegetarier, über Biertrinker und Langschläfer. Und über meine eigene Lebenseinstellung. Über meine Art Dinge zu betrachten.

Bildergalerie 2 zum 4 Desert Sahara Race 2017:

Wir hatten unsere Aufgaben, die es zu erledigen gab, und man kann die Dinge auf verschiedene Art und Weise angehen. Sicher wäre ich, wenn ich entschieden hätte, mehr gelaufen und wäre die Streckenabschnitte weniger mit dem Jeep abgefahren. So war das ganze teilweise schon sehr entspannt. Mir tat es immer leid mit dem Auto in diese unberührte Natur zu brettern, einfach nur damit man zwei oder drei Stunden spart. Viel lieber wäre ich gelaufen, wäre für mich gewesen und hätte eben auch den Teilnehmern die Reifenspuren erspart. Aber ich war nicht Course Manager.

Strecke markieren, am Tag der Etappe morgens checken und dann die nächste(n) Etappe(n) markieren. Schichtbeginn immer um sechs, Start der Tagesetappen war zwischen 8 und 9 Uhr morgens. Die ersten Stunden waren meist gefüllt mit Fahrerei, jeweils vom Camp die ersten Kilometer bis wir an den Punkt kamen an dem fahren nicht mehr möglich war.

Im Ganzen aufregende Tage, auch weil wir mehr von der Natur hatten als die Läufer. Wir waren nur zu dritt, sehr leise, sehr früh morgens. Gewisse Sonnenaufgänge, tierische Begegnungen und einsamste Momente. Highlights dieser Reise.

Man kann diese Firma, diese Idee, diese Rennen schwer in Worte fassen. Merke ich schon den ganzen Text lang. Lasst euch von den Bildern erzählen wie es war, lasst euch berauschen. Aber Reiseberichte braucht ihr einfach nicht zu lesen. Oder Bücher über Wüstenrennen … oder Vorträge. Es ist einfach ein einmaliges Erlebnis. Und damit meine ich das sich jeder einzelne ein eigenes Bild machen muss.

Danke Euch – bis bald

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