Nachhaltigkeit in der Sportartikelindustrie – Geht das denn?

Nachhaltigkeit in der Sportartikelindustrie

Ja! Aber ganz so einfach ist das nicht. Während es sowohl bei Alltagskleidung als auch bei Freizeitschuhen bereits ein breites Angebot an nachhaltig produzierten Artikeln gibt, ist Nachhaltigkeit in der Sportartikelindustrie noch kein großes Thema. Nachhaltig produzierte Produkte zu finden gestaltet sich schwierig und ist oft mit erheblichem Suchaufwand verbunden. Doch was bedeutet Nachhaltigkeit in diesem Zusammenhang überhaupt?

Die drei Säulen der Nachhaltigkeit: Sozial, ökonomisch & ökologisch

Viele denken beim Thema Nachhaltigkeit vor allem an den Umweltschutz, doch hinter dem heutzutage fast schon inflationär gebrauchten Begriff steckt deutlich mehr. Neben der ökologischen Dimension sind auch die soziale und ökonomische Dimension wichtige Elemente des Nachhaltigkeitsbegriffs. Diese Nachhaltigkeitsdimensionen geben auch für die Produktion von Sportartikeln konkrete Ziele vor. In Bezug auf die Nachhaltigkeit in der Sportartikelindustrie ist vor allem die ökologische sowie die soziale Dimension von besonderer Bedeutung. Dabei geht es in erster Linie um eine nachhaltige und faire Produktion sowie um den Einsatz ökologischer Materialien. Doch genau da liegt das Problem: Die Ziele sind zwar klar, wie man diese jedoch erreichen kann, ist noch unklar.

Umweltschädliche Materialien

Wir als Läufer haben hohe Erwartungen in unser Equipment. Die Schuhe sollen unser Körpergewicht bei jedem Schritt möglichst gut dämpfen und gleichzeitig die nötige Stabilität bieten. Von unserer Kleidung erwarten wir beim Laufen, dass sie uns einerseits warm hält, andererseits aber auch atmungsaktiv ist und Schweiß bestmöglich absorbiert ohne sich damit vollzusaugen. Um all diese Kunstfasern aus recycelten PET-Flaschen für mehr NachhaltigkeitAnforderungen zu erfüllen, ist bisher der Einsatz von Kunststoffen nicht zu vermeiden. Die meisten Kunststoffe basieren auf Erdöl und sind somit biologisch nicht abbaubar. Zudem ist Erdöl ein endlicher Rohstoff dessen Förderung weltweit massive Umweltschäden hervorruft. Auch die Mikro-Plastik-Problematik rückt in letzter Zeit immer mehr in das Bewusstsein der Menschen. Bisher gibt es jedoch kaum natürliche Alternativmaterialien, welche den hohen Ansprüchen, die Läufer an ihr Schuhwerk stellen, Stand halten könnten. Aus diesem Grund beschränken sich die aktuellen Versuche nachhaltiger zu produzieren zumeist auf den Einsatz von recyceltem Plastik.

Nachhaltige Laufbekleidung

Auch in vielen Lauf-Textilien finden sich inzwischen schon recycelte Kunstfasern, die beispielsweise aus Kunstfaser Econyl aus recycelten Fischernetzen sorgt für Nachhaltigkeitalten PET-Flaschen hergestellt werden. Vor allem die Recyclingfaser “Econyl”, welche aus alten Fischernetzen gefertigt wird, wird immer häufiger verarbeitet. In Sachen Sportbekleidung gibt es allerdings noch mehr Möglichkeiten: hier ist es – anders als bei den Laufschuhen – bereits möglich unter Einsatz natürlicher Materialien funktionelle Laufkleidung zu produzieren. Zum Einsatz kommen dabei unter anderem Naturfasern wie Wolle, Seide, Holzfaser (Tencel, Lyocell) und auch Bio-Baumwolle. Wichtig ist dabei jedoch, bei Fasern tierischen Ursprungs darauf zu achten, dass diese von Tieren aus artgerechter Haltung stammen.

Ein weiterer Grund die Forschung bezüglich natürlicher Alternativmaterialien voran zu treiben, sind die Schadstoffe, die in Synthetikfasern enthalten sein können. Da diese Schadstoffe potenziell gesundheits- und umweltschädlich sein können, sollte man vor allem beim Kauf von Produkten aus Kunstfasern ein Auge darauf haben. Um dies ihren Kunden zu erleichtern, lassen viele Hersteller ihre Produkte zertifizieren. Besonders bekannt sind beispielsweise Siegel wie der “Oeko-Tex Standard 100” oder das “Bluesign”-Zertifikat, die unteranderem die Schadstofffreiheit der Produkte garantiert. Die Bekleidung der Laufbar-Marke Dynafit ist zum Beispiel mit diesen Siegeln ausgezeichnet. Mehr zu dem Thema Schadstoffzertifikate könnt ihr bald in einem eigenen Artikel auf unserem Laufbar-Blog lesen.

Problematische Produktionsbedingungen und Lieferketten

In Bezug auf die soziale Nachhaltigkeitsdimension fällt der Blick vor allem auf die Produktionsbedingungen. Wie die meiste Freizeitbekleidung, werden auch Laufschuhe und Sportbekleidung zum größten Teil in Asien produziert, u.a. aufgrund der dort vergleichsweise günstigenDas Nähen als zentrales Element der Sportbekleidungsproduktion Produktionsbedingungen. Besonders zu nennen sind dabei die niedrigen Lohnstückkosten. Diese führen dazu, dass viele Arbeiter in den Textil- und Schuhfabriken – selbst für die dort niedrigen Lebenshaltungskosten – zu wenig verdienen. Selbst für Hersteller, denen faire Arbeitsbedingungen in ihren Fabriken wichtig sind, ist es oft sehr schwierig oder gar unmöglich diese zu schaffen, durchzusetzen und zu überwachen.

Eine Möglichkeit die Produktionsbedingen etwas genauer zu durchleuchten und gewisse Standards zu gewährleisten, stellen einige Stiftungen und Zertifizierungsunternehmen dar. Diese übernehmen das Logo der "Fair Wear Foundation"Überprüfen und Durchsetzen von fairen Bedingungen. Eine Laufbar-Marke, die sich in diesem Bereich schon sehr engagiert, ist wieder die Trail-Running Marke Dynafit. Dynafit ist Mitglied der Non-Profit-Organisation “Fear Wear Foundation”, über die ihr in einem weiteren Artikel auf unserem Laufbar-Blog bald mehr erfahren könnt.

Nicht nur die Arbeitsbedingungen sind im Bezug auf die Produktion in Asien problematisch. Für uns Konsumenten in Deutschland bedeutet die Produktion am anderen Ende der Welt lange Transportwege und somit einen erhöhten CO2 Ausstoß. Es gibt jedoch immer mehr Marken, die sich um eine Produktion nahe ihres Absatzmarktes bemühen. Dazu gehören unter anderem die Laufbar-Marken Lunge und Kossmann.

Nachhaltigkeit in der Sportartikelindustrie – Unser Ziel

Wir haben uns vorgenommen uns in Zukunft verstärkt mit dem Thema Nachhaltigkeit in der Sportartikelindustrie auseinanderzusetzen. Im Zuge dessen werden wir euch regelmäßig über verschiedene Themen in unserem Blog zu informieren. Wir wollen uns außerdem bemühen mit der Zeit mehr und mehr nachhaltig produzierte Produkte in unser Sortiment aufzunehmen. Momentan stellt dies zwar noch eine Herausforderung dar, jedoch ist eine Entwicklung in die richtige Richtung bei vielen Marken schon zu erkennen. Wir sind gespannt, was sich die kommenden Jahre im Bereich Nachhaltigkeit tun wird und freuen uns, euch über diese Entwicklung auf dem Laufenden zu halten.

Mehr Infos zum Thema Nachhaltigkeit in der Sportartikelindustrie

Wer sich für das Thema interessiert findet beispielsweise auch auf der Seite der ISPO News und Hintergründe zur Nachhaltigkeit im Sport-Business. Zwei interessante und sehr kritische Artikel über die Produktionsweisen von Sportartikeln finden sich auf der Internetseite “Utopia”, die über Nachhaltigkeitsthemen jeder Art informiert. Einmal geht es hier speziell um Laufbekleidung, der zweite Artikel befasst sich mit Laufschuhen. Zuletzt hat auch die auf  Trail-Running spezialisierte Lauf-Homepage TrailRunnersDog.de einen ausführlichen Artikel zum Thema Nachhaltigkeit in der Sportartikelindustrie veröffentlicht.

 

 

2 Kommentare

    1. Volker Haußmann says:

      Hallo Susanne,
      danke für deinen Input. Schauen wir uns an. Das Thema Nachhaltigkeit wird noch weiter wachsen – ist ja auch enorm wichtig. VG

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