Trail Grasköpfl – einsame Vorkarwendel-Tour in der Nähe des Sylvensteinspeichers

Hinauf aufs Grasköpfl

„Einsam“ ist relativ, denn mittlerweile zieht es immer mehr Wanderer in das Vorkarwendel rund um Isar und Sylvensteinsee. Glücklicherweise gibt es am Grasköpfl weder Aufstiegshilfen noch bewirtschaftete Hütten, die zur Einkehr laden. Die Anzahl an Bergsportlern hält sich daher in Grenzen. Abgesehen davon glänzt unser Streckenvorschlag mit richtig gut laufbaren Bergpfaden sowie hervorragenden Ausblicken zum Schafreiter, den Karwendel-Hauptgipfeln, Krottenbachtal, Benediktenwand, Isartal und Sylvensteinsee.

Unglaublich, was die Aussicht vom 1.753 m hohen Grasköpfl bietet. Das Köpfchen steht frei, deshalb habt ihr oben eine perfekte Rundumsicht. Allerdings muss man erst dorthin gelangen…

Der Ausgangspunkt im Tal unterscheidet sich je nach Anfahrtsmittel. Seid ihr mit dem Auto unterwegs, empfehlen wir, es an einem der als Parkflächen gekennzeichneten Seitenstreifen der B 307 abzustellen – rund 5 km nach der Ortschaft Fall und ca. 1,5 km vor der immer noch zu Lenggries gehörenden Siedlung Vorderriß mit Gasthof (… damit ist die Einkehrfrage nach der Tour bereits geklärt ;)). Vom Parkplatz findet ihr einen direkten Zustieg zur Tour über das bergseitige Forststraßennetz auf der gegenüber liegenden Straßenseite.

Fällt die Wahl auf den öffentlichen Transport, geht es zunächst mit der Bayerischen Regiobahn (BRB) nach Lenggries. Dort liest euch der Bergbus Eng auf. Er verkehrt von Mai bis Oktober siebenmal täglich an Wochenenden und Feiertagen sowie zweimal wochentags. Den aktuellen Fahrplan findet ihr hier als PDF. Wir empfehlen, an der Haltestelle bei der alten Grenzstation Vorderriß auszusteigen. Das halbiert die Forststraßen-Gaudi vor und nach der eigentlichen Tour.

Für beide Varianten haben wir einen jeweils eigenen GPS-Track angelegt.

Der Anstieg

Aufs Grasköpfl

So mögen wir das: auf einem Reitsteig nach oben.

Habt ihr die Forststraßen erst mal hinter euch gelassen, geht es überwiegend auf einem ehemaligen Reitsteig hinauf. „Reitsteig“ ist Synonym für ideale Steigung, kombiniert mit optimalem Landschaftserlebnis. Was für Pferd und Reiter gut ist, soll dem Trail-Läufer bzw. der Trail-Läuferin gerade recht sein. Unten ist der Bergwald noch licht und von niedrigem Wuchs. Schon bald werden die Bäume höher und spenden im Sommer willkommenen Schatten. Nach den ersten Höhenmetern weitet sich der Pfad nochmals zu einem Fahrweg, den ihr jedoch durch diverse Abschneider meiden könntet.

Beim unübersehbaren Mobilfunkmast wechselt ihr endgültig auf den idyllischen Bergpfad. Er schlängelt sich oberhalb des Stuhlbaches durch ein herrliches Gemisch aus knorrigen Laubbäumen, Nadelbäumen, Hangwiesen und Bacheinschnitten bis hinauf zum weiten Rücken zwischen Schafreiter-Massiv und Grasköpfl. Wie gesagt: alles bestens laufbar!

Der Gipfel

Von der links angrenzenden, hangseitigen Moosen-Alm läuft man zunächst nördlich um den Gipfelaufbau des Grasköpfl herum – erst durch ein kurzes Waldstück, dann frei zwischen Latschenfeldern und kurzgewachsenen Nadelbäumen. Tiefblicke und Felsschneisen erfordern alpine Erfahrung, aber auch hier stehen die Ampeln auf grün für einen gepflegten Laufschritt. Und die Aussicht nach Norden in Richtung Isartal ist wirklich beeindruckend.

Zum Gipfel selbst nehmt ihr den scharf links abzweigenden und steil hinaufführenden Steig ca. 1,5 km nach der Moosenalm. Nun ist für die meisten von uns Gehtempo angesagt, denn anders als der nette Name des Berges und sein Anblick von unten vermuten lassen, ist dieses Wegstück definitiv kräftezehrend. Ganz oben laden eine Wiese direkt vor dem Gipfelkreuz und das fantastische Panorama zum Verweilen ein. Zurück nehmt ihr den Aufstiegspfad bis zur Abzweigung.

Panorama vom Grasköpfl

Mal wirklich umsichtig sein… auf dem Gipfel des Grasköpfl

Die Pirschschneid-Challenge

Dieser rassige Abschnitt verläuft unterhalb der Pirschschneid, eines 1.638 m hohen Zwischengipfels, und direkt entlang der von dort nach Osten steil abstürzenden Hangflanke. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind hier Pflichtprogramm, auch wenn ihr euch an einer Drahtseilsicherung festhalten könnt. Wer’s wagen will, lässt sich trotzdem nicht vom Laufschritt abhalten – seht das Video als Inspiration. Die Passage endet relativ eben oberhalb des Wiesenhanges der Grammersbergalm.

Der Abstieg

Zum alten Jägersteig

Versteckter Einstieg zum alten Jägersteig

Um zur Abstiegsroute, einem alten Jägersteig, zu gelangen, lauft ihr nach Erreichen der Almwiese weglos nach links zum etwas weiter unten gelegenen Waldeck. Am Ende der sanften Wiesenschneise zwischen den angrenzenden Bäumen findet ihr den versteckten Zugang. Vielleicht hilft euch die Markierung auf dem Bild – den Anschluss seht ihr dort, wo Christian steht.

Als wir diesen Pfad im Jahr 2013 entdeckt haben, konnten wir eine Trittspur kaum erkennen. Inzwischen ist er – so würde man sagen – „gut eingelaufen“. Zahlreiche Serpentinen winden sich durch den Bergwald, teilweise auch gerne etwas steiler. Das ist einer der Gründe, warum es nach unten deutlich schneller geht als nach oben. Wer nicht will, dass die Tour rasch endet, bleibt hin und wieder stehen, um die herrlichen Ausblicke auf die Berge der Jachenau und hellen Kiesufer der Isar zu genießen.

Abenteuerliche Schluchtquerungen auf dem Rückweg

Nervenprobe im unteren Teil des Jägersteigs

Im unteren Bereich warten noch weitere Highlights: ein hoher Wasserfall sowie zwei abenteuerliche Schluchtquerungen. Letztere sind inzwischen ebenfalls mit Drahtseilversicherungen entschärft, so dass ihr sicheren Fußes weiterkommt.

Die letzten Meter durch den Hangwald liegen vor euch, und schon bald stoßt ihr wieder auf die breite Forststraße. Diejenigen, die zum Bergbus müssen, laufen die restlichen Kilometer auf der Forststraße nach links. Die Autofahrer haben es einfacher, kreuzen die Forststraße und folgen der Trasse geradeaus zur B 307.

Wer im Sommer noch Zeit hat, wird die Nähe des Sylvensteinsees als willkommene Abkühlung zu schätzen wissen.

Streckenimpressionen

Karte & GPS

Tour Facts

Streckenlänge 16,5 km (vom Parkplatz an der B 307), 18,5 km (von der alten Grenzstation Vorderriß)
Höhenmeter knapp 1.000 m rauf und 1.000 m runter
Charakter meist Bergpfade mit laufgerechter Steigung. Gipfelpassage des Grasköpfl steil und teilweise felsig. Ausgesetzte, drahtseilgesicherte Stellen an der Pirschschneid und bei den Schluchtquerungen im unteren Bereich des alten Jägersteigs. Zu Beginn/ am Ende längere Passage auf Forstwegen.
Sportlicher Anspruch sehr gute Kondition, für Fortgeschrittene

Wichtig zu wissen …

erreichbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln
natürliche Wasserquelle(n) auf dem Weg
Gastronomie auf dem Weg (Hütte oder Gastwirtschaft)
viel Sonneneinstrahlung
ausgesetzte Stellen, Schwindelfreiheit erforderlich
gute Orientierung erforderlich
längere Gehstrecken
Betretungsverbote auf einzelnen Streckenteilen zu bestimmten Jahreszeiten beachten

Equipment-Empfehlungen

Trailschuhe: https://www.lauf-bar.de/laufschuhe/trail-running-schuhe/

Rucksäcke: https://www.lauf-bar.de/zubehoer/laufrucksack/

Laufbekleidung: https://www.lauf-bar.de/laufbekleidung/

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