Trail Kienjoch – Graswanger Gipfelrunde

Ammergauer Gipfelrunde

Wo bekommt man mehr als sechs Gipfel auf einen Schlag? Und das mit einer Halbmarathon-Distanz von rund 21 km? Diese Tour vom schönen Graswangtal ins angrenzende Ammergebirge ist ein echter Hit – stabiles Wetter und Top-Fitness vorausgesetzt. Zugegeben: Alles in allem ist unser Vorschlag anstrengend und nur was für trittsichere Trail Runner. Wer seine Kraft gut einteilt, wird freiwillig längere Gehstrecken in Kauf nehmen. Insofern handelt es sich um ein Hike’n’Run-Abenteuer mit der bekannten Notkarspitze als weitere Gipfel-Option.

Um es gleich vorneweg zu sagen: Wir haben uns mit der Variante ohne Notkarspitze begnügt und unseren Artikel entsprechend aufgebaut. Wer den Track beispielsweise auf Komoot betrachtet, stellt schnell fest, dass man auch auf dem Notkarspitz-Westabstieg nach Graswang zurückkehren kann. Die Wegdistanz verringert sich dadurch um einen Kilometer, dafür stehen gut 300 Höhenmeter mehr auf dem Tacho.

Start im Graswangtal

“Sanft und lieblich” gibt’s nur am Anfang…

Eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln erfordert Zeit und Geduld. Die Fahrplanauskunft der Deutschen Bahn berechnet vom Münchner Hauptbahnhof über zwei Stunden, mit Zugwechsel in Murnau und Umstieg auf den Bus 9622 in Oberammergau. Falls die Wahl auf das Auto fällt: Parkplätze in Graswang sind grundsätzlich begrenzt. Die am besten geeigneten Abstellmöglichkeiten findet ihr rund um das derzeit geschlossene Gasthaus an der Hauptstraße.

Los gehts einige Meter zurück bis zur Abzweigung nach Dickelschwaig. Am Weganfang gibt es ein öffentliches WC – nach langer Anfahrt und vor einer noch längeren Tour gut zu wissen. Über die Steinbrücke und zwischen weiten Feldern strebt ihr nun auf die bewaldeten Bergflanken der Ammergauer Berge zu. Dahinter wartet das fast 2.000 m hohe Kienjoch als höchster Punkt des heutigen Gipfel-Abenteuers.

Der Anstieg

Kurz nach dem Waldeintritt gabelt sich der Forstweg. Die Beschilderung schickt euch nach rechts in Richtung Kuhalm und Kienjoch. Nach etwa 350 m heißt es aufpassen: Der unauffällige Einstieg zum Waldpfad befindet sich rechts im Dickicht. Den solltet ihr nicht verpassen. Genau hier hat man bezeichnenderweise einen Geradeaus-Wegweiser aufgestellt, der vom Einbiegen abhalten soll. Netterweise hat jemand den Pfosten mit einem blauen Pfeil nach rechts verziert. Diesen und weitere Weghinweise findet ihr bildlich in unseren Streckenimpressionen weiter unten.

Anstieg zum "Mittagseck"

Mit Schwung zum “Mittageck” – Beginn des Gipfelgrates

Dem Trail nach oben würden wir das Attribut „naturnah – aber stets gut erkennbar“ verleihen. Einige rote Punkte helfen bei der Orientierung. Viele Wurzeln, nach Regen auch gerne rutschig, kurvenreich und stellenweise richtig steil würde uns noch als Ergänzung einfallen. Mit anderen Worten: eher eine Gehstrecke.

Oben wird der Wald lichter und gibt schöne Blicke hinüber zum „Zahn“ und Sonnenberggrat hoch über dem Graswangtal frei. Das niedrige Nadelgehölz lädt zum Kuschelkurs ein, so dicht stehen die Bäumchen teilweise. Aber ein Durchkommen ist immer gesichert.

Dann übernehmen die Latschen die Oberhoheit über die Flora. Es zeigt sich deutlich der Beginn des Gipfelgrates.

Von Gipfel zu Gipfel

Der direkte Anstieg zum 1.855 m hohen Mittageck als Startpunkt der Gipfelpartie gestaltet sich bereits ruppig und gibt einen guten Vorgeschmack auf die weiteren Verbindungspassagen zwischen den Gipfeln. Es liegt viel loses Geröll herum, so dass man gezwungen ist, die Schritte achtsam zu setzen. Trailrunning-Stöcke sind bei solchen Touren wirklich hilfreich. Sie erhöhen die Sicherheit und ermöglichen in steilen Abschnitten, mit den Armen nachzuhelfen.

Kienjoch und Nachbargipfel

Die gesamte Gipfeltour auf einen Blick

Oben am Grat angekommen bauen sich das Kienjoch und der gesamte Tourenverlauf vor euch auf. Im Süden beherrschen Zugspitze und Wettersteingebirge die Landschaft, nördlich reicht der Blick über den Sonnenberggrat zu Hohem Peißenberg, Ammersee und Starnberger See.

Der Trail zieht sich als nächstes erst leicht abschüssig bis zu einer Linkskurve und vor dort wieder deutlich bergauf zum Kieneckspitz. Bei einigen Abbrüchen müsst ihr gelegentlich die Hände zur Hilfe nehmen. Davon abgesehen halten wir die Strecke für überwiegend laufbar – hohe Trittsicherheit und Schwindelfreiheit natürlich vorausgesetzt.

Zwischen Kieneckspitz und Kienjoch hat die Natur noch einige Überraschungen eingebaut, unter anderem einen etwa 40 m tiefen Einschnitt mit undeutlicher Wegführung. Haltet euch rechts vom Latschenbewuchs, dort ist der Abstieg am einfachsten. Eure Hände werdet ihr auf jeden Fall brauchen. Für die letzten Meter nach oben wählt ihr bei einer Gabelung die rechte Variante über eine angrenzende Felsstufe und erspart euch damit das kräftezehrende, weglose Stück über die begrünte Ostseite des Gipfelblocks. Willkommen am Kienjoch, weiter rauf geht es auf dieser Tour nicht mehr.

Von nun an wird’s dafür deutlich sanfter und demnach besser laufbar. In direkter Nachbarschaft liegt der nur rund 20 Meter niedrigere Geißsprungkopf. Der kurze Abschnitt von Gipfel zu Gipfel gehört zu den Highlights unseres Streckenvorschlags. Entlang der sanften Gratkante bietet der Trail eine nahezu perfekte Wegführung vor der sagenhaften Bergkulisse des Werdenfelser Landes. Im Video haben wir einen Ausschnitt davon festgehalten.

 

Nun müsst ihr ca. 200 m nach unten: oben noch etwas flacher, dann steiler auf einem steinigen Bergpfad in eine Senke. Um in Richtung Windstierkopf zu gelangen, achtet auf die vor euch liegende Weggabelung. Links geht es ins Tal – und dahin wollt ihr jetzt noch nicht. Rechts hingegen sieht man aus der Distanz sehr schön die Serpentinen durch das Latschenfeld hinauf zum Gipfel. Das ist der Weg eurer Wahl.

Windstierkopf

Downhill zum Windstierkopf

Wenn ihr rechts am Windstierkopfes vorbeigelaufen seid, ändert sich die Umgebung schlagartig. Weite, üppige Bergwiesen tun sich auf, und der Pfad verliert sich im satten Grün. Als Orientierung haltet ihr euch entlang eines Weidezauns bzw. einfach in der Nähe der Hangkante, bis die Wegspur wieder klar erkennbar ist.

Das Bild sanfter Grashängen und verstreuter Gruppen kurz gewachsener Hochgebirgsbäume bleibt euch erhalten bis zum unwesentlich niedrigeren Feldernkopf, den ihr ebenfalls links liegen lasst. Etwa ein Kilometer östlich trefft ihr dafür auf seinen Verwandten, den Vorderen Feldernkopf. Der bietet immerhin schon wieder 1.928 m sowie ein ordentliches Gipfelkreuz. Von hier lohnt sich ein Rückblick auf den gesamten Tourenverlauf von der gegenüberliegenden Gratseite.

Vorderer Feldernkopf

Tapetenwechsel: auf dem Weg zum Vorderen Feldernkopf

Ihr blast zum Sturm auf die letzten beiden erwähnenswerten Gipfel: den 1.895 m hohen Großen Zunderkopf und den 1.814 m hohen Brünstelskopf als Abschluss der Grat-Tour. Der Trail verläuft überwiegend auf weichem Bergwiesenuntergrund, mit Latschen-Slalom-Einlage und wenigen technischen, steileren Abschnitten. Beindruckend von diesem Wegstück aus ist der Blick in Richtung Farchant und Burgrain. Wie eine kleine, blau-grüne Perle liegt der Pflegersee links unterhalb des mächtigen Königsstandes (1.453 m).

Wer noch nicht genug hat, läuft vom Wiesensattel unterhalb des Brünstelskopfes weiter zur Notkarspitze. Alle anderen wenden sich an der Wegkreuzung nach links in Richtung Kuhalm bzw. Graswang.

Der Abstieg

Der Downhill geht zunächst gar nicht so „down“, sondern führt erst einmal ein paar Etagen tiefer unterhalb unserer Gipfeltour zurück nach Westen. Man kann sich also die gesamte Pracht auch von unten ansehen. Sämtliche Abschnitte sind gut laufbar – und nach 15 km Gesamtwegstrecke winkt endlich eine erfrischende Wasserquelle.

Kühalpenbach

Genug Wasser auf dem Rückweg entlang des Kühalpenbaches

Die Strecke nach Graswang ist durchwegs ausgeschildert, und ihr erreicht die Kuhalm nach etwa einem Kilometer auf einem breiten Fahrweg. Vor dem Almgebäude schicken euch die Wegweiser ins Kühalpenbach-Tal. Dieser Trail ist allein schon deshalb erlebenswert, weil er nicht nur am Bach mit seinen Staustufen entlang verläuft, sondern ihn auch mehrfach kreuzt – und zwar ohne Brückchen. Da heißt es, nicht nur einen kühlen Kopf, sondern auch einen trockenen Fuß bewahren.

Der letzte Teil dieser außergewöhnlichen Route präsentiert ein wenig Yosemite-Feeling. Der Pfad verlässt das Bachufer, steigt leicht an und ermöglicht Prachtblicke auf fast senkrecht herabstürzende Wasserfälle und tief hinab in die Kühalpenbach-Klamm. Ihr seid gut beraten, die kaum sichtbare Abzweigung links zu nehmen und euch damit das Ab und Auf des Hauptweges zu ersparen. Nach dieser Tour habt ihr definitiv ein paar Erleichterungen verdient.

Streckenimpressionen

Karte & GPS

Tour Facts

Streckenlänge 21 km (20 km über Notkarspitze)
Höhenmeter 1.200 m rauf und 1.200 m runter (1.510 m über Notkarspitze)
Charakter teilweise steile Bergwaldpfade hinauf. Von Gipfel zu Gipfel auf steinigen, alpinen Pfaden und Steigen mit ein paar Kraxelstellen. Im zweiten Streckenteil Bergwiesen und steile, technische Abwärts-Trails.
Sportlicher Anspruch ausgezeichnete Kondition, für Fortgeschrittene mit Schwindelfreiheit. Insgesamt strapaziöse Tour.

Wichtig zu wissen …

erreichbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln
natürliche Wasserquelle(n) auf dem Weg (Achtung: erst nach 15 km)
Gastronomie auf dem Weg (Hütte oder Gastwirtschaft)
viel Sonneneinstrahlung (insbesondere auf den Gipfeln und Verbindungsgraten)
ausgesetzte Stellen, Schwindelfreiheit erforderlich
gute Orientierung erforderlich
längere Gehstrecken
Betretungsverbote auf einzelnen Streckenteilen zu bestimmten Jahreszeiten beachten

Equipment-Empfehlungen

Trailschuhe: https://www.lauf-bar.de/laufschuhe/trail-running-schuhe/

Rucksäcke: https://www.lauf-bar.de/zubehoer/laufrucksack/

Laufbekleidung: https://www.lauf-bar.de/laufbekleidung/

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