One Way-Trail im Karwendel: von der Fleischbank zum Kompar

One Way-Trail: Fleischbank – Kompar

Letzten Monat hat es uns ins Karwendel bei Mittenwald gezogen (siehe Artikel). Das macht Appetit auf mehr. Aufgrund seiner fantastischen, vielseitigen Landschaft und interessanten Möglichkeiten für Läufer empfehlen wir euch wieder eine Tour in dieser Region, diesmal jedoch deutlich zentraler. Ihr seid zwar immer noch im Vorkarwendel unterwegs, dafür aber gleich gegenüber des atemberaubenden Naturparks mit Johannestal und Ahornboden sowie der alpinen Wucht aller krönenden Karwendel-Gipfel.

Karwendel-Tour: Abstieg über Hasentalalm

Die gesamte Pracht des Naturparks Karwendel

Um eine solche Aussicht mit angemessener Ertüchtigung zu paaren, hat die Natur auf der nördlichen Seite des Rißtals den Grasbergkamm mit drei aneinandergereihten Zweitausendern geschaffen. Das erste Ziel dort ist die 2.026 m hohe Fleischbank. Trotz des martialischen Namens sind Aufstieg und Wegbeschaffenheit absolut läufergerecht und laut einschlägiger Literatur eher einfach bis mittelschwer. Übrigens: Nicht verwechseln darf man „unsere“ Fleischbank mit der gleichnamigen Formation im Kaisergebirge, die bei Kletterern sehr beliebt ist.

Damit aber nicht genug: Habt ihr den Grasbergkamm hinter euch, statten wir dem Kompar (2.011 m) einen Besuch ab. Hier habt ihr die Möglichkeit, die Tour mit einem vierten Zweitausender abzurunden.

Vom Sylvensteinsee fahrt ihr vorbei an Vorder- und Hinterriß in Richtung der Tiroler Enklave Eng. Der einzige, verkehrstechnisch erschlossene Weg in diesen Teil Österreichs verläuft auf einer mautpflichtigen Straße von Bayern aus. Als Alternative bleibt nur, sich von Vomp im Inntal zu Fuß durch die Berge zu schlagen.

Bleiben wir also besser bei der angenehmen Anreiseform, denn ihr habt ja noch was vor ;). Fans öffentlicher Verkehrsmittel nehmen den Bergbus Eng von Lenggries (Fahrplan-Download als PDF). Dorthin gelangt ihr vom Münchner Hauptbahnhof mit der Bayerischen Regiobahn (BRB, https://www.brb.de).

Unser Tourenvorschlag startet an der Mautstation bei Hinterriß. Wer mit dem Auto weiter hineinfahren will, berappt derzeit 4,50 €. Aber das ist nicht nötig, denn es gibt i. d. R. freie Parkplätze am ehemaligen Herzoglichen Alpenhof, der schon seit geraumer Zeit leer steht – und der sich gleich bei der Zahlstelle befindet. Auch der Bergbus hält hier (Haltestelle „Hinterriß Mautstelle“).

Auf die Fleischbank

Nach etwa 800 m auf der Mautstraße in Richtung Eng biegt ihr links auf eine angrenzende Wiese ab und folgt dem ausgeschilderten Wanderpfad. Dieser meist steinige, aber durchwegs lauffreundlich angelegte Trail zieht sich mehr als 900 Höhenmeter in vielen Kehren durch den locker bewaldeten Bergfuß bis zur Einsattelung westlich der Fleischbank.

Karwendel-Tour: Abzweigung zum Fleischbank-Gipfel

Am Scheideweg: Gipfelsturm oder Gipfel-Unterquerung?

Wenn ihr oben angekommen seid, haltet ihr euch am Querweg rechts und könnt knapp 300 m weiter entscheiden: Gipfel oder – etwas kraftschonender – Gipfel-Unterquerung. Unsere Empfehlung: Lauft ganz hinauf und lasst euch das Vergnügen nicht entgehen. Erstens ist das Wegstück gut machbar, und zweitens ist der Rundumblick jeden Schritt wert. Hinab zur Wegfortsetzung wird der Trail allerdings sehr steil. Wer Trail-Stöcke dabei hat, wird diese zu schätzen wissen.

Weiter entlang des Grasbergkamms

Mit dem Hölzelstaljoch (2.012 m) und dem Grasberg (2.020 m) liegen noch zwei weitere Zweitausender auf dem Weg, die ihr optional als Gipfelerlebnis mitnehmen könntet. Oder ihr bleibt auf dem durchwegs gut laufbaren Hauptweg, der über ausgedehnte Wiesenflanken und durch Latschengürtel hinab zum weitläufigen Grasbergsattel mit den Gebäuden der Grasbergalm führt.

Karwendel-Tour: Aufstiegsrinne zum Grasberg

Hand anlegen: Kraxel-Stelle auf dem Weg zum Grasberg

Tipp: Auf Hölzelstaljoch und Grasberg muss man nach einem Fleischbank-Besuch nicht unbedingt hinauf. Zum einen, um die Kraft zu schonen. Ihr habt erst rund 11 km hinter euch, bevor es vom Grasbergsattel auf den Kompar weitergeht. Zum anderen ist die prächtige Aussicht auf den Naturpark Karwendel und auf das Nordpanorama mit Schafreuter & Co. auch nicht viel anders als von der Fleischbank.

Der erste Anstieg zum Grasberg wartet übrigens mit einer etwas kniffeligen Stelle auf: Es gilt, eine kurze, aber steile Felsscharte mit teils seilversicherter Rinne zu meistern – egal, ob ihr nun rauf wollt oder nur vorbeilauft. Hier werdet ihr eure Hände bemühen müssen. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind bei Touren dieser Art ohnehin Voraussetzung.

Auf den Kompar

Am Grasbergsattel weist ein Schild in der Nähe der Almgebäude unmissverständlich nach links hinauf zum Kompar bzw. zum Plumssattel. Der Aufstieg beginnt mit einer sanften, grünen Schulter. In einer weiten Rechts-Linkskurve zieht sich der Trail nach oben zum Latschengürtel und bleibt erfreulicherweise die gesamte Zeit mäßig steil und laufbar.

Im nachfolgenden Verlauf wendet sich die Spur leicht nach Süden und unterquert zunächst den Gipfelaufbau entlang seiner größtenteils grünen Flanke. Ihr haltet euch also immer rechts am Berg bis zur kleinen Scharte, an der (zur Zeit zumindest…) ein Weideband quert.

Hier habt ihr wieder die Wahl: nochmal rund 130 m hinauf zum Gipfel auf einem sehr steilen, steinigen Pfad oder gleich geradeaus weiter zum Hauptabstieg. Wer den Gipfel besucht, trifft auf ein improvisiertes Kreuz und genießt den Blick in nordöstliche Richtung hinüber zur markanten Mondscheinspitze (2.106 m).

Hinab geht es ein paar Meter zurück auf dem Anstiegsweg und bei der deutlichen Gabelung links. Nach etwa 200 m laufen Gipfelabstieg und Hauptabstieg zusammen.

Über die Hasentalalm zurück nach Hagelhütte

Karwendel-Tour: Hasentalalm-Mitterleger

Wegzehrung: Service am Hasentalalm-Mitterleger

Immer mit grandiosem Blick auf die Highlights des Karwendel-Gebirges lauft ihr auf guten Wanderwegen mäßig steil bergab in südliche Richtung und durchquert das Gebiet der Hasentalalm. Wer will (und falls vorhanden), kann sich am Hasentalalm-Mitterleger für 2,50 € ein vom Brunnenwasser gekühltes Radler oder Bier aus dem Kasten nehmen und zusammen mit dem großartigen Tiefblick auf den Ahornboden genießen.

Über einen direkt vor euch liegenden Wiesenrücken lauft ihr hinab in den Bergwald, durch ein Gatter und in weiteren Kehren bis zum Hasentalalm-Niederleger. Ab hier wird der Weg breit, quert den Plumsbach und führt über weite Wiesen unterhalb der Material-Seilbahn in drei letzten Kehren zurück zum Rißbach bei Hagelhütte.

Der am Spätnachmittag stündlich verkehrende Bergbus Eng (Haltestelle „Haglhütte“) bringt euch entweder zurück zur Mautstation und zu eurem dort abgestellten Auto oder zum Bahnhof Lenggries.

Streckenimpressionen

Karte & GPS

Tour Facts

Streckenlänge ca. 21 km (mit Kompar-Gipfel)
Höhenmeter 1.350 m rauf und 1.200 m runter
Charakter alpine Wanderpfade, überwiegend gut zu laufen. Eine kurze, technische Kraxel-Passage am Grasberg.
Sportlicher Anspruch sehr gute Kondition, für Fortgeschrittene mit hoher Trittsicherheit.

Wichtig zu wissen …

erreichbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln
natürliche Wasserquelle(n) auf dem Weg
Gastronomie auf dem Weg (Hütte oder Gastwirtschaft)
viel Sonneneinstrahlung
Schwindelfreiheit erforderlich
gute Orientierung erforderlich
längere Gehstrecken
Betretungsverbote auf einzelnen Streckenteilen zu bestimmten Jahreszeiten beachten

Equipment-Empfehlungen

Trailschuhe: https://www.lauf-bar.de/laufschuhe/trail-running-schuhe/

Rucksäcke: https://www.lauf-bar.de/zubehoer/laufrucksack/

Laufbekleidung: https://www.lauf-bar.de/laufbekleidung/

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